Warum sind Rosen zum Valentinstag eigentlich so teuer? – Hinter den Kulissen des Blumenhandels

Lange rote Rosen kosten auf unseren Wochenmärkten normalerweise zwischen 1,20 € und 1,60 € je Stiel. Zu Valentinstag verlangen wir aber gerne mal das Doppelte. Aber nicht nur wir, auch die Konkurrenz verlangt zu Valentinstag „Wucherpreise“ für (rote) Rosen.

Viele Kunden irritiert das und sie vermuten, dass hinter dem deutlichen Preisanstieg eine Preisabsprache mit anderen Blumenhändlern läge. Jetzt zu Valentinstag, wo viele Leute Rosen kaufen, würden die Händler einen dicken Aufschlag draufrechnen, um sich eine goldene Nase zu verdienen. So und ähnlich höre ich es immer wieder empört über die Wochenmarkttische klingen, wenn die Kunden die Rosenpreise hören. Schön wäre es, aber so einfach ist es leider nicht.

In der Tat ist es oft so, dass wir zu Tagen wie Valentinstag – trotz des hohen Preises – selbst draufzahlen. Woran liegt es also, dass zu solchen Tagen die Preise für Rosen so arg steigen?

 

Bunte Rosen auf dem Wochenmarkt Münster Domplatz_Sommerastern

Rosenverkauf auf dem Wochenmarkt_ Rosen verkaufen

 

Eine Frage von Angebot und Nachfrage – der Preis entscheidet sich an der „Uhr“

So banal es klingen mag, aber die Antwort liegt tatsächlich in der Verschiebung von Angebot und Nachfrage zu solchen Tagen. Das erscheint erstmal so abstrakt. Aber waren Sie schon einmal auf der Blumenversteigerung in Amsterdam? Da können Sie live erleben, was das bedeutet.

Die Händler sitzen dort vor einer sogenannten „Uhr“, die rückwärts läuft. Die Zeiger geben den Preis an, der jede Sekunde um 25 Cent fällt (Preis pro Stiel). Der Händler, der zuerst den Knopf an seinem Pult drückt, bekommt den Zuschlag für die Runde. Wenn kaum Interesse an einem Produkt besteht, dann fällt der Preis bis auf wenige Cents. Wenn aber – wie zu Valentinstag stets der Fall – ein Produkt zu einem Tag besonders beliebt ist, dann muss der Händler dazu bereit sein, einen höheren Preis auszugeben, um überhaupt das Produkt zu erhalten. Ansonsten räumen die Kollegen ab, die bereit sind, tiefer in die Tasche zu greifen.

Wir ersteigern einen Großteil unserer Blumen selbst in Aalsmeer. Wenn wir also sagen würden „Ne, wir wollen die Rosen dem Kunden aber nicht teurer verkaufen als sonst auch! Wir zahlen nicht mehr als sonst auch!“ – dann würden wir einfach leer ausgehen! Keine Rosen zu Valentinstag – wie würden unsere Kunden gucken…

 

Einkauf an der Blumenversteigerung in Aalsmeer Blumenversteigerung in Aalsmeer_die Uhr

 

Preisausgleich durch Reduktion der Marge

Dabei kann es sogar sein, dass der Preis für z. B. rote Rosen so hoch lag, dass wir die Preiserhöhung nicht komplett an den Kunden weitergeben – um das Produkt für den Kunden überhaupt noch erschwinglich zu halten. Der Verdienst an Valentinstag kann dann also unter Umständen sogar sehr viel geringer sein als in normalen Wochen mit normalen Preisen.

Rosen und alle anderen Schnittblumen sind nun mal ein Frischeprodukt, dessen Ertrag kurzfristig nicht beliebig gesteigert werden kann! Es können nicht tausende von Quadratmetern mehr Rosen angebaut werden, wenn diese nur an einem Tag im Jahr zu einem rentablen Preis zu verkaufen sind und die Fläche ansonsten subventioniert werden muss. Anders als haltbare Produkte ist die angebaute Menge relativ fix – die größere Nachfrage muss daher über den Preis geregelt werden. Aber ich erspare Ihnen an dieser Stelle mal eine eingehende Darstellung volkswirtschaftlicher Preiselastizitäten…

 

Orange Rosen auf dem Wochenmarkt in Telgte Avalanche Rose und bunt gemischte Rosen

 

Nun, wer zu Valentinstag seiner oder seinen Lieben mit Rosen überraschen will, der muss aus diesen Gründen leider tiefer in die Tasche greifen. Dass der Preisanstieg jedoch nichts mit einer Preisabsprache der Blumenhändler zu tun hat, das kann ich Ihnen versichern.

 

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